Jetzt, da diese wunderbare Jahreszeit gekommen ist, wenn die Tage kürzer werden, die Temperatur sinkt, du das Haus im Dunkeln verlässt und im Dunkeln nach Hause kommst und du es vorziehen würdest, im Bett zu bleiben und zu weinen, solltest du vielleicht einen Schubs bekommen. Deshalb dieses sonnige Intro. Ohne Witze wirst du vielleicht bemerken, dass du dich in den letzten Wochen etwas weniger wohl fühlst, als du es  von dir selbst gewohnt bist. Etwas schneller müde, weniger Energie, mehr depressiv. Vielleicht hast du keine Lust auf eine gesunde Ernährung und überspringst das Fitnessstudio etwas öfter. Dann besteht die Chance, dass du Opfer eines Wintertiefs wirst. Aber was genau ist das Wintertief und was noch wichtiger ist, was kannst du dagegen tun?

Was ist ein Wintertief?

Eine Definition, die zur Definition eines Wintertiefs verwendet wird, sind wiederkehrende depressive Symptome während der Wintersaison, wenn die Tage kurz sind, die mit zunehmender Tageslänge wieder vergehen. Merkmale bestehen aus, sind aber nicht beschränkt auf: Müdigkeit, ein viel größeres Bedürfnis nach Schlaf, die weitere Verschiebung des Moments, in dem man sich „wach“ fühlt, mehr essen will, ein mehr als normales Gefühl von Trübsal, Reizbarkeit und die Trennung sozialer Kontakte. Wenn diese Eigenschaften lange Zeit bestehen bleiben und jährlich wiederkehren, sprechen wir von einer Winterdepression.

Ursache eines Wintertiefs

Die Ursache ist nicht völlig bekannt, aber es gibt genug Beweise, dass Licht oder eher das Fehlen davon, eine große Rolles spielt. Während der Wintertage wirst du weniger dem Licht ausgesetzt, was u.a. die Abgabe von Melatonin beeinflusst. Auch scheint durch verminderte Lichteinwirkung die biologische Uhr nicht (mehr) gleich mit der an der Wand zu ticken.

Außerdem ist die Farbe Grau meist viel weniger gemütlich als ein dichter blauer Himmel und auch Regen und Kälte werden im Allgemeinen als viel weniger angenehm empfunden, als wenn man die Vögel morgens nur in einem T-Shirt pfeifen hören kann.

Was ist die Lösung?

“Alles schön und gut natürlich, dass wir nun wissen, was ein Wintertief ist und auch woher es kommt, JW, aber wenn ich in den Spiegel schaue und meinen dicken Bauch sehe, weiss ich auch, woher das ärgerliche Gefühl kommt. Ich will wissen, was ich dagegen tun kann!“

Ein Tief (eine Depression noch mehr) hat einen negativen Klang und wird oft als Schwäche erfahren. Außerdem denken viele Menschen schnell an Medizin (Antidepressiva) bei dem Wort Depression.

Es gibt jedoch sicherlich eine Reihe von Optionen, die weitaus weniger weitreichend sind und sich sehr positiv auswirken können, wenn du unter einem Wintertief leidest.

Da (Sonnen-)Licht bzw. dessen Fehlen eine der wichtigsten Ursachen zu sein scheint (huehue), findet sich auch in dieser Ecke eine der Lösungen.

Versuche, das wenige Sonnenlicht, das es am Tag gibt, zu nutzen; bleibe nicht bis 12 Uhr im Bett liegen, um dich dann mit einer Decke (aus Selbstmitleid) auf Sofa zu legen sondern stehe lieber zeitig auf und nimm ein paar Morgenstunden Sonnenlicht mit, auch wenn es bewölkt ist; gerade am Vormittag sitzt noch viel blau im Licht, was die Produktion von Melatonin bremst und auch einen günstigen Effekt auf deine biologische Uhr hat. Das kostet vielleicht eben etwas Mühe, da eine der Eigenschaften eines Wintertiefs ist, dass du morgens nicht aus dem Bett kommst und Mühe hast den Tag zu starten.

Aber auch die Standardgeschichte: Bewegung und Sport. Menschen werden dazu gebracht, sich zu bewegen, sogar so sehr, dass sich Bewegung (und vor allem im Freien) positiv auf fast alle Krankheiten auswirkt, sowohl körperlich als auch geistig. Das Fahrrad statt des Autos zu nehmen, ist daher auch eine sehr gute Sache. Oder zu Fuß zum Supermarkt. Parke dein Ihr Auto eine Straße weiter die Straße hinunter. Gehe in der Mittagspause nach draußen, um eine frische Nase zu bekommen. Das wirkt sich sowohl im Sommer als auch im Winter positiv auf deine Stimmung aus und du verbrennst auch unbewusst einige dieser Schokoladenpfeffernüsse, Bankettbars und Feiertagskilos.

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Licht ist dein Freund

Erinnerst du dich noch an die schweren, Verdunkelungs-Gardinen, von denen wir im Schlafartikel gesprochen haben?  Sehr gut, dass du sie nun hängen hast, aber mach sie offen, so dass du wach wirst! Tageslicht! Oder besser, hallo Licht!

Wenn das nicht genügt, kannst du vielleicht nach Lichttherapie schauen. Das wird offiziell in Krankenhäusern angeboten, aber heutzutage gibt es auch viel Lampen, die Tageslicht nachahmen; Ein wake-up light kann eine Menge ausrichten, um besser wach zu werden und außerdem gibt es auch energylights, die für eine gute Dosis Licht tagsüber sorgen; Dies sind jedoch relativ teure Investitionen, aber wenn das Wintertief jedes Jahr hart wird, können solche Lampen das Geld wert sein!

Zurück ins Mittelalter?

Abgesehen von diesem Ansatz, der in direktem Zusammenhang mit der Wintersaison steht, gilt natürlich die ganze Stress- und Schlafgeschichte, mit der ich dich bereits mehrfach konfrontiert habe.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte gab es noch nie so viele Möglichkeiten und Optionen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, und doch zeigt die Forschung, dass sich Menschen immer mehr allein und isoliert fühlen.

Versuche als Hausaufgabe diesen Monat weniger Whatsapp zu schreiben, telefoniere einmal etwas mehr. Chatte etwas weniger auf Facebook sondern verabrede dich mehr. Plane einen leeren Mittag, um deinen Opa und deine Oma zu besuchen. Nimm dir einen Abend Zeit, um mit deiner Schwester oder deinem Bruder zu schwatzen.

Setze dein Telefon einmal eine Woche lang ab 8 Uhr abends in den Flugzeugmodus. Setze die blauen Häkchen auf Whatsapp aus.

Das konstante  erreichbar sein müssen und ständig parat stehen müssen, um zu reagieren auf Whatsapp, Facebook, Instagram, Hyves (ochneindasnicht), Second Love und Tinder liefert dir bemerkt oder unbemerkt eine Menge Stress.

Besonders in diesem Monat kann es so schön sein, sich tatsächlich zu treffen, anstatt sich mit deinen 100 Internet-„Freunden“ zu verbinden.

Stress

Außerdem kann ich dir empfehlen, den Stress-Artikel noch einmal zu lesen und einige Punkte herauszufiltern, von denen du denkst, dass du einen Gewinn machen kannst; wenn du dich nicht wohl fühlst, gibt es hier sicherlich Punkte, die dir definitiv helfen können, die Sonne durch die nicht so sprichwörtlichen Wolken zu sehen.

Denk nach über Dinge, für die du dankbar bist, sorge dafür, dass du dich auf schöne Dinge freuen kannst und/oder meditiere ein paar Minuten pro Tag; das muss nicht in Lotushaltung in einer Wolke von brennenden Räucherstäbchen sein, aber deine Gedanken eben ordnen und am Ende oder Anfang eines jeden Tages kann das absolut positive Effekte haben.

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Voll ist voll

Für all diese Tipps gilt, dass du nicht an dir vorbeigehst; wenn du in einem Tief sitzt, ist dein Spielraum mit Bullshit zu dealen beschränkt. Der Grund, dass ich diesen Artikel anfing zu schreiben, hat auch damit zu tun. Ich merkte, dass ich begann zu tanzen, wenn jemand die Worte „du“ und „musst“ im selben Satz eng bei einander benutzte.

Die letzten Monate waren sehr arbeitsreich;  Diplomarbeiten schreiben, Kurse folgen an der Uni, einen Wettkampf machen, neue Aufgaben auf der Arbeit, ein neuer Job, online coaching  ausbauen, einem Kursus folgen, umziehen….wenn du dich gut fühlst, kannst du eine Menge schaffen aber an einem bestimmten Punkt läuft der Eimer randvoll und oft kann es vom einen Tag auf den anderen wirklich mehr als genug sein. Einmal an diesem Punkt angekommen, ist es nicht mal eben eine Sache von einem Tag relaxen, um dann wieder monatelang dagegen an zu können.

Bei mir war der Wechsel zur Wintersaison dieser Tropfen; in diesem Moment ist es natürlich schön leicht gesagt, dass du “mehr raus musst, mehr entspannen musst, mehr dankbar sein musst, weniger im Internet verfügbar sein und dich mehr unter Menschen begeben musst“, aber sei vorsichtig mit der Menge Heu, die du auf die Gabel lädst. Ein (Winter)tief ist nicht der fruchtbarste Boden für Wachstum und nicht der günstigste Startpunkt um Probleme anzupacken.

Kleine Schritte zu großen Resultaten

Fange mit kleinen Schritten an und baue langsam auf. Überspringe einmal ein Training, wenn du wirklich keine Energie dafür hast. Sei nicht nur streng zu dir sondern gönne dir selbst auch eine Atempause. Sei dafür dann dankbar, statt dich selbst schwach zu finden.

In einem ruhigen Tempo voraus zu joggen, bringt dich weiter, als jedesmal minutenlang zu Atem kommen zu müssen nach einem all-out sprint. Das gilt auch fürs Leben.

Lerne deine Energie zu dosieren, schau, was du aus diesem Artikel herausholen kannst und bevor du dich versiehst, zieht der graue Winter deine Batterie ein wenig weniger leer, als das jetzt der Fall ist.

Jan Willem van der Klis

Instagram: @Jay_Whey