(Foto durch Ruben Baars – Beautiful Memory Photography)

Nach dem Gewinnen  der Olympia Amateur in Marbella Mitte Juni, saß ich in der Woche danach in einem kompletten Adrenalinrausch. Denn ja, wer hätte jemals gedacht, dass ich da gewinnen würde? Ich jedenfalls nicht! Also, bevor ich eigentlich  „normal“ nachdenken konnte, hatte ich mich schon auf meinen folgenden Wettkampf konzentriert. Oder besser gesagt WettkämpfE , ich wollte nämlich an der Arnold Classic Amateur (Barcelona), den Ben Weider Cup (Finnland), im November den Juliette Bergmann GP und zum Schluss im Dezember das WK, mitmachen.

Ich dachte bei mir: “Komm los! Nun bin ich in Shape, dies ist mein Moment!“. Ich ignorierte in diesem Moment auch,  was mein Körper mir schon ein paar Wochen zu rief: „Hey Bernice, sollen wir mal eben etwas ruhiger machen?“. Aber nein, das kommt nicht in meinem Wörterbuch vor, also ging ich nach meinem Wettkampf einfach hart weiter mit meinem Prep. Und das, während ich beinah 1,5 Jahre beim cutten war… Darum das Thema von heute: Was sind Wettkämpfe nun eigentlich? Fun oder Katastrophe?

Der Mann mit dem Hammer

Die Wochen danach fielen wirklich schwer, ich schlief 12 Stunden pro Nacht und ich kann dir sagen, dass die Tage dann auch sehr kurz werden, wenn du fulltime arbeitest und daneben einen eigenen Betrieb hast. Und oh ja, daneben auch noch cuttest und jeden Tag beinah 2 Stunden trainierst.

Gleichzeitig wurde ich auch mir selbst gegenüber gereizt, denn warum fühlte es sich alles so schwer an? Den Anlauf zum NK und der Olympia machte ich eigentlich ganz gut. Immer öfter kam das Stimmchen in meinem Kopf und sagte zu mir: „Bernice, ist es das alles wert?“. Vor ein paar Wochen, als mein Freund von seiner Arbeit nach Hause kam, haben wir alle Vor- und Nachteile der Wettkämpfe und Wettkampfvorbereitungen aufgeschrieben. Wir kamen dann schon schnell zu dem Schluss, dass es für jetzt besser ist, die Wettkampfpläne eben zur Seite zu schieben.

bernice rug

Gesunder Menschenverstand zuerst

Meine Falle zu der Zeit wurde, dass ich nicht mehr auf meinen gesunden Menschenverstand hörte, sondern auf den Drive in mir, der gerne Wettkampf auf Wettkampf mitmachen wollte. Das einzige, was du siehst ist, wie du dich auf einem Wettkampf platzierst, wie du im Vergleich mit deinen Wettbewerbern aussiehst und als Kirsche auf dem Kuchen noch einmal den Becher, den du mit nach Hause nimmst. Das sorgt alles dafür, dass du koste es was es wolle, weiter mit den Wettkämpfen willst, ob das nun vernünftig ist oder nicht…

Glücklicherweise habe ich nun für mich beschlossen, meinem Körper eine Ruhezeit zu gönnen. Wie ich zu diesem Beschluss gekommen bin, will ich euch hier erzählen. Bedenke, bevor du dies liest gut, dass dies nicht nur anwendbar ist, wenn du Wettkämpfe machst, sondern auch wenn du mehr als fanatisch bist und keine Bremse kennst. Hast du einen beispiellosen Drang immer auf niedrigem Fettprozentsatz zu stehen, das Maximale aus deinem Training zu holen und alles muss hierfür zurückweichen? Dann sind diese Tipps auch für dich geeignet!

Tipp 1. Bleibe immer ehrlich zu dir selbst

Jeder hat für sich Gründe, warum er an einem Wettkampf mitmachen will. Innerliche Motivation ist nötig für einen Bodybuilding-Wettkampf und mit innerlicher Motivation meine ich, dass das ein Gefühl ist, das aus dir selbst kommt. Du machst das pur, weil du es selbst willst, es ist ein bestimmter Drive, weil du etwas erreichen willst, etwas, dass du dir selbst beweisen willst.

Nach meinem ersten Wettkampf, bei dem ich 2. wurde, wollte ich es mir  selbst sehr gerne beweisen, denn das ging besser, fand ich! Als mein 2. Wettkampf eine große Enttäuschung wurde, nämlich 4., war ich völlig versessen auf einen besseren Shape! Bei mir war die innerliche Motivation sehr gut, Menschen konnten alles zu mir sagen, aber ich hatte Scheuklappen auf, denn ich war versessen auf einen Top-Shape. Glücklicherweise konnte ich das auf dem NK dann auch mehr als wahrmachen und ich gewann meine Klasse (Bodyfitness-163) und den Overall Titel.

Aber sobald die innerliche Motivation abnimmt und es ein „Muss“ wird, wird es vernünftig dich selbst zu gut zu fragen, für wen du das eigentlich alles machst. Das ist genau das, was ich mich vor ein paar Wochen, nach dem Gewinnen der Olympia Amateur, gefragt habe. Sehr kindisch habe ich für mich die Vorteile und Nachteile der geplanten Wettkämpfe aufgeschrieben. Ich kam schnell zu dem Schluß, dass ich nicht so eigensinnig sein sollte und eben ein Schrittchen zurück gehen musste. Der ausschlaggebende Faktor für mich war: „Tu es für dich und für niemand anderen, aber vor allem…. Bleibe ehrlich zu dir selbst!“.

bernice biceps

 Tipp 2. Höre auf deinen Körper

Manchmal sitzt du irgendwo so tief drin, wie in diesem Fall die Wettkampfvorbereitungen, dass du nicht mehr “klar” nachdenken kannst und vielleicht gut gemeinte Ratschläge deiner Lieben zur Seite schiebst. Oft realisierst du erst nachher, dass diese Ratschläge wohl die bessere Wahl waren, aber in diesem Moment siehst du das nicht.

Glücklicherweise gibt es auch noch Signale, die du einfach nicht ignorieren kannst, nämlich die Signale, die dir dein eigener Körper gibt. Früher oder später gibt dein Körper von selbst einmal an, dass es genug ist. Natürlich ist das Ende eines Prep schwer und du wirst die Signale auch als diese erkennen, aber das sollte nicht ewig dauern. Also, wie erkennst du die Signale? Ich habe die Wichtigsten für dich zusammengestellt;

5 Signale, dass dein Körper genug davon hat

  • Hunger. Nicht den Hunger, den du manchmal hast, eine halbe Stunde bevor eine Mahlzeit geplant ist, nein, ständiger Hunger. Du wirst wach mit Hunger und jede Mahlzeit ist ein hoffnungsloser Versuch, den Hunger zu stillen, was leider nicht passiert.
  • Müdigkeit. Dass du körperlich und mental müde bist, gehört einfach zur letzten Phase eines Prep, aber sobald du rund um die Uhr schläfst und dann den Tag über immer noch wie ein Zombie verbringst, mußt du dich selbst doch einmal fragen, ob es dir noch so gut geht. Jeden Moment des Tages schlafen können, ist in diesem Fall eine Lüge.
  • ‘Off days’. Kennst du das Gefühl, dass eine Übung sich nicht “so gut anfühlt”, wie normal? Das, kombiniert mit weniger Kraft und viel mehr Mühe mit deinen Sets?Wenn du diesen Punkt bei jedem Training, bei jeder Übung erreicht hast, ist es Zeit für ein Schrittchen rückwärts. Oft hast du in dieser Phase auch noch viel mehr Muskelkater (oder kleine Wehwehchen) als normal, während du tatsächlich weniger arbeitest..
  • Entschuldigungen. Du suchst bei allem was du tust Entschuldigungen um weniger (schwer) zu trainieren, länger zu ruhen und eigentlich alles, was nicht sein sollte, um dein Ziel zu erreichen. Es ist nicht mehr deine innerliche Motivation, die dafür sorgt, dass du tust, was du tust, sondern die Verpflichtung, die in deinem Kopf rumspukt. Wenn du buchstäblich an jeder Front merkst, dass dein Körper nicht mehr will, wird es Zeit für einen wohlverdienten break.
  • Teufelskreis. Du trainierst, so dass du (etwas) mehr essen darfst. Aber dann schlaucht das Training dich wieder enorm und das bisschen extra essen fällt aus. Am Tag danach läufst du wieder gegen dasselbe Hindernis und du beschließt doch, mal wieder zu trainieren, denn ja, das bisschen extra Obst ist dir in so einem Moment viel wert. Hinterher realisierst du erst, dass das ein Teufelskreis gewesen ist, der in diesem Moment nicht die Mühe wert war.

Diese 5 Signale dürften deutlich machen, dass es Zeit wird eine Ruhezeit zu nehmen! Es ist in der Tag sehr negativ umschrieben und läßt dich vielleicht denken, dass ich keinen Spaß an den Wettkämpfen hatte, aber nichts ist weniger wahr! Ich habe hieran enorm viel Spaß und Erfüllung herausgeholt, aber du erreichst einfach einen Punkt, dass dein Körper einen Zwischenstopp braucht.

Tipp 3. Setze Prioritäten

Bodybuilding ist ein schönes Hobby, mit dem du  dich von jeder Seite deines Lebens wohlfühlen kannst. Aber du musst wohl realisieren, dass es ein Hobby ist und bleibt, aber schon ein Hobby, das dein Leben schluckt, bevor du es merkst. Ich selbst möchte z.B. auch noch was von der Welt sehen, aber die Kombination von Bodybuilding und Reisen ist einfach  schwierig umzusetzen. In Shape bleiben und Rundreisen ist prima zu kombinieren, aber für einen Wettkampfshape ist halbe Arbeit nicht genug!

Aber auch, wenn du zu einer Zeit viel Fortschritt an anderen Stellen verbuchen willst, wie: Karriere, ein eigenes Unternehmen, Umzug, Familienzuwachs, andere Hobby`s oder soziale Angelegenheiten etc. Dann wird es für viele Menschen notsächlich werden, Bodybuilding auf eine kleinere Flamme zu setzen.

Schlußfolgerung: Solange du nicht vom Bodybuilding leben kannst, sollte es nicht dein ganzes Leben beeinflussen. Das soll natürlich nicht heissen, dass es mit nichts zu kombinieren ist, aber das ist etwas, das du für dich selbst herausfinden musst. Der eine wird schneller müde als der andere, während einer Vorbereitung.

bernice rug gym

Tipp 4. Schau auf lange Sicht

Einer meiner größten Fehler war, dass ich nur ins Jetzt schaute: NUN bin ich in shape, also muss es NUN passieren. Dass ich dann innerhalb von 2 Jahren beinah 10 Wettkämpfe machen sollte, darüber habe ich nicht so direkt nachgedacht, denn ich lebte von Wettkampf zu Wettkampf.

Während der Gedanke vielleicht so verrückt nicht ist, wird es dich wahrscheinlich zerbrechen. Bodybuilding ist ein Sport, für den du zum ersten Zeit brauchst, um einen würdigen Körper aufzubauen, aber daneben ist es auch ein Sport, den du sehr lange machen kannst. Schau schließlich einmal auf die Körper, die in den Masters-Klassen zu sehen sind und du wirst überrascht sein!

Schau also nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft. Vielleicht  nun nicht der richtige Moment, in die Vorbereitung zu gehen, aber wer weiss, sieht es in ein paar Jahren ganz anders aus! Ein Ding ist jedenfalls sicher: dich selbst für eine unendliche Periode zur Diät verpflichten, schwer zu trainieren und alles von deinem Prep abhängig zu machen, während du körperlich und mental „auf“ bist, bringt dich nicht dahin, wohin du letztlich willst.

Und mit diesen 4 Tipps hoffe ich, dass ich jedem von euch helfen kann, in der Zukunft einen weisen Entschluss zu treffen, wenn es um Diät halten oder vielleicht selbst auf Wettkampfvorbereitung geht. Bodybuilding ist ein schöner Sport, aber das Ganze muss in dem Moment auch stimmen, um alles heraus zu holen!

Greetz Bernice

#WEAREXXL

Doelen behaal je samen!

Schrijf je in en ontvang wekelijks de beste adviezen over sport en voeding: